Sonntag, 16. April 2017

Von Untergängen und mir als Catfish

Ich stand oft in meinem Leben an dem Punkt, an dem für mich eindeutig klar war, dass es nicht mehr schlimmer werden kann.
Ich wurde immer eines besseren belehrt.
Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass es wieder besser werden kann, oder? 
Ich meine, damit etwas schlecht werden kann, muss erstmal etwas gut sein, oder?
Ich erinnere mich zu gut an den Abend, als ich das erste mal im Internet nach meinen Symptomen suchte und auf das Wort Panikattacken stoß.
Das war nachdem ich den Film -Meine Frau,unsere Kinder &ich- schaute und dort eine Szene vorkam, wie Robert De Niro einen Herzinfarkt bekam.
In diesem Moment drehte sich mein Zimmer und ich schnappte nach Luft, lief zum Fenster meines alten Zimmers, riss es auf, während der Schweiß mir den Rücken runterlief & meine Umgebung zu einer surrealen unangenehm weichen Masse zerlief. Das war eines der schlimmsten Gefühle, die ich je in meinem Leben empfand.
Seit diesem Tag fühlte ich mich eine ganze Zeitlang fremd. Fremd in meiner Wohnung.
Fremd in dem Dorf.
Fremd auf diesem Planeten aber vorallem Fremd in meiner Haut. 
Ich konnte nicht mehr zwischen ´real & fake´ unterscheiden. Nicht im Sinne von den heutigen Instagrammodels oder Youtubern.
Nein, ich wusste nicht mehr, ob ich lebe, ob alles um mich herum wirklich existiert und wenn, warum existiert das alles überhaupt? Ich verlor den Verstand und jeglichen Bezug zu der Realität, zu mir.
6 Monate ging das so.
Dann zog ich um, lernte Tobi kennen, ging zu einem Psychologen und der Zustand war vorbei.
Es kam zwar hin und wieder vor, dass ich mich und meine Umgebung als surreal wahrnahm aber nie wieder in diesem Ausmaß.

Bis vor ein paar Wochen zumindest.


Im Gegensatz zu jetzt, zu diesem empfinden, war das damals, das verdammte Paradies.

Ich kann mich nur selbst analysieren und ungefähr einschätzen, warum ich mich am verlieren bin.
Nachdem Tobi starb, flüchtete ich mich in ein Onlineforum bzw in einen Chatroom.
Ich wollte nicht über ihn oder mein wahres ich reden.
Ich wollte mich kurzzeitig neu erfinden.
Ich wollte ein perfektes Leben ohne Schmerz simulieren.
Ich meldete mich also mit falschen Namen, falschen Wohnort, falschen Hobbys ect an. Das einzig echte waren meine Bilder.
Ich lernte dort ziemlich schnell, ziemlich außergewöhnliche Menschen kennen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Menschen wirklich mögen würde.
Es machte mir Spaß, mir darüber Geschichten auszudenken, wie mein Leben gerade so läuft, meinen Charakter so zu formen, wie ich ihn gerne hätte und die Hauptrolle in einem Film zu spielen, in dem Schmerz keinen Platz hat.
Am Anfang wusste ich noch was ich da tat aber irgendwann, als diese Menschen mir wichtig geworden sind, verbrachte ich so viel Zeit damit, ihnen weitere Storys aufzutischen, dass ich völlig vergessen habe, was die Wahrheit ist. So länger ich log um so mehr glaubte ich mir den Scheiß.
Sobald ich offline ging, hörte das aber nicht auf. Diese Menschen waren in meiner Whatsapp und Skypeliste.
Ich hatte also immer Kontakt und "musste" neben meinem eigentlichen Leben ( Das Leben mit C. welches aber eigentlich auch nur auf Lügen, auch wenn auf anderen, aufgebaut ist ) immer die Geschichten abrufbar haben. Irgendwie hat sich das alles vermischt.
Ich lebte in zwei Welten aber in keiner richtig.
Erst nach vielen Monaten wurde mir das bewusst.
Ich versuchte, Ordnung in das Chaos zu bringen aber wollte das tun ohne jemanden zu verletzten aber schaffte das nur bedingt.
Ich deckte meine Lügen nie auf.
Ich weiß ehrlichgesagt garnicht mehr, wem ich was erzählt habe.
Ich versuchte einfach, nicht mehr zu lügen.
In beiden Welten. Irgendwann wurde mir das alles zu viel & ich rauchte wieder regelmäßig Gras.
Ich dachte, dass es mir gut tun würde.
Hat es früher zumindest aber dann war da dieser eine Joint und ich schwöre, danach war vorbei. Ich hatte so einen krassen Absturz.
Erstmal bekam ich üble Panikattacken, fing an zu kotzen und halluzinierte darüber, dass ich mir ganz ganz sicher bin, meinen Tod vorraus gesehen zu haben.
Irgendwann bin ich auf dem Boden, in meiner Kotze, eingeschlafen und aufgewacht. Seitdem fühle ich mich aufjedenfall noch komischer als eh schon und habe nichts mehr geraucht. Seitdem gibt es definitiv mehr dunkle als helle Tage.
Auf meiner Facebookseite, habe ich über 1000 "Freunde" aber soll ich euch mal was sagen? 
In Wirklichkeit habe ich keinen einzigen mehr.
Ich schäme mich ein bisschen dafür, dass zuzugeben aber ich bin alleine und ich glaube, dass lässt mich noch verrückter werden, als ich eh schon bin. Ich vermisse Tobi unglaublich. Alleine wenn ich seinen Namen hier aufschreibe, bekomme ich Heulkrämpfe.
Niemad sagt mir mehr, dass es nochmal gut werden kann. Niemand sagt mir mehr, dass ich kämpfen muss.
Niemand sagt mir mehr, dass wir daran zusammen arbeiten.
Tobi sagt nie wieder, dass er mich liebt.
Ich liege den ganzen Tag im Bett und was frühere mein "sicheres" Reich bezüglich Angstzuständen war, hat sich ebenfalls zu einem Ort voller De- realisationen und Panikattacken entwickelt.
Ich bin ziemlich am Arsch.
Ich breche regelmäßig zusammen, heulend.
Nicht selten in den Armen von meiner Mom oder vor dem Videochat mit C. Mt ihm ziehe ich übrigens bald zusammen aber das ist ein anderes Thema. Ich habe einfach nur Angst.
Früher gab es wenigstens, 1 oder 2 Menschen, bei denen ich mich auskotzen,ausheulen und ausrasten konnte.
Es ist niemand mehr da und vielleicht ist das auch meine Schuld.
Ich behandle Menschen schon lange nicht mehr gerecht aber behaupte immer was anderes und schiebe es auf meine Krankheiten.
Vielleicht, ist das hier meine gerechte Strafe.
Ich weiß es nicht, wirklich nicht aber ich weiß eins: Nämlich das ich befürchte, mir das Leben zu nehmen.
Früher habe ich selten über Selbstmord nachgedacht und wenn, dann waren es grobe Skizzen in meinem Kopf aber nie die tatsächliche Überlegung.
Wenn ihr versteht, was ich meine? Heute ist es so, dass ich diese Impulse habe. 
Immer wenn ich de-realisiere, während jeder Panikattacke, nach jedem Alptraum, wenn einfach ALLES zu viel ist - ist da dieser Impuls.
Dieser warme Gedanke daran, dass es besser wäre.
Das ich das hier nicht mehr ertrage.
Ihr könnt euch einfach nicht vorstellen, was in meinem Kopf los ist & ich kann es auch nicht wirklich erklären.



Kommentare:

  1. Liebes, ich bleibe trotzdem bei der Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. Wir kennen und schon so lange und Du hast so viel Mist durchgemacht. Aber Du bist immer noch hier. Und ich hoffe, Du bleibst es. Mindestens bis 2023. Im Sommer. Wenn die Sonne angenehm, aber nicht zu warm scheint. Vielleicht haben wir dann gerade beide pinke Haare, die im Wind wehen. Und dann fotografieren wir unser Spaghettieis und posten es auf Instagram. Und auf unseren Blogs natürlich. Und vielleicht inspirieren wir noch mehr Leute zu so einer Spaghettieis-Abmachung, die symbolischen Mut gibt, weiterzuleben - mindestens zehn Jahre. ;)
    Ich denk an Dich und umarme Dich ♥ Glitzer ♥

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  2. Liebes, bleib bitte. Mach weiter, kämpfe, lebe! Ich habe in letzter Zeit wieder öfter an dich gedacht... Du darfst mir schreiben, du bist nicht allein. Es wird anders werden - leichter vielleicht und... erträglicher.. Ich hab dich lieb, Davina. Ich bin da - sei du es bitte auch. Du bist es wert! <3

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